150 Jahre Johanneum in Zittau

Geschrieben von Mirko Hans
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Nur ein Jubiläum oder Ausdruck besonderer Zittauer Bildungstradition?

Am 14. Dezember 2021 jährt sich zum 150. Male die feierliche Einweihung des Königlichen Realgymnasiums „Johanneum“ in Zittau. Ist das nur ein Datum für uns? Keinesfalls!

Unser prächtiges neoklassizistisches Gebäude mit Uhrenturm ist eines der schönsten Schulgebäude Sachsens. Die Stadt Zittau leistete sich 300 Jahre nach Gründung des Alten Zittauer Gymnasiums einen ansehnlichen Neubau, der mit veranschlagten 114940 Talern der ehemals reichen Stadt gut zu Gesicht stand. Dieser war dringend nötig, da man bereits 1855 vier Gebäude in Zittau benötigte, um die Realschüler und Gymnasiasten zu unterrichten.

Die Einweihung des Gebäudes sollte zuerst am 12.12.1871 stattfinden, dem Geburtstag des Königs, aber einige Honorationen konnten an dem Tag nicht dabei sein. Schließlich hatte man bei der Grundsteinlegung für das neue Schulhaus am 16.08.1869 dem anwesenden sächsischen König das „Johanneum“ anheimgestellt. König Johann von Sachsen (regierte 1854-1873) war als Literaturliebhaber unter dem Pseudonym Philalethes bis 1848 als Übersetzer von Dantes „Göttlicher Komödie“ in Erscheinung getreten. Er förderte Denkmalschutz und Bildung. Sein Besuch in Zittau und die Namensgebung waren eine Ehrung des Zittauer Bildungseifers.Beim Festakt vor 150 Jahren weihte der König unser Haus „zu einer Pflanzstatt höherer Bildung für das kommende Geschlecht, auf der bewährten Basis gründlicher Wissenschaftlichkeit und ächt christlicher Sittlichkeit“ (aus der Rede des Bürgermeisters Haberkorn).

Die gymnasiale Tradition wurde nunmehr mit der Realschule verknüpft und die Lernbedingungen für die Schüler, damals leider nur Jungen, besser. In seiner Festrede hob der Direktor Heinrich Julius Kämmel hervor, dass es am Realgymnasium „Johanneum“ nicht darum gehe, „in die Wege vornehmer Wissenschaftlichkeit zu leiten“, sondern die „Fundamente“ für „weitergehende Entwicklungen“ „zu legen“. Keine lebensferne Paukerei hatte Kämmel im Sinn, sondern bildungsbürgerliches Grundlagenwissen für eine Karriere im Industriezeitalter. Hatte Zittau unter Kämmel die erste Gesamtschule Sachsens? Das wohl nicht, aber die Organisationsform war neu. Diese naturwissenschaftliche Ausrichtung wird heute noch in der Ausbildung in neuen Chemie- und Physikfachkabinetten deutlich. Die MINT-Praktika sind richtungsweisend. Aber auch im sprachlichen, geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bereich hatte Zittau nicht allein seit Christian Weise (1642-1708) Hervorragendes zu bieten. Die Schultheatertradition war von besonderer Qualität. Doch lassen wir Kämmel am 14.12.1871 sprechen: Wir wollen dieses Haus zu einem Übungsplatz der Pädagogik machen, die ihr Amt als einen Dienst der Liebe auszurichten sucht.“ Was für ein Anspruch! Referendare erleben und schätzen das heute. Es ist hervorzuheben, dass Kämmel Lehren und Lernen unter Gottes Schutz und Leitung stellte. Die Adventszeit war und ist dazu geeignet, auf diese religiöse Einbettung Bezug zu nehmen. Sicher war auch das ausschlaggebend für die Beauftragung des Dresdner Malers Anton Dietrich mit dem Wandbild für die Aula „Paulus predigt in Athen“. Es wurde im September 1878 in der Aula, unserem schönen Festsaal, angebracht.

Zum Jubiläum wollten wir eine Festveranstaltung mit Chorkonzert organisieren. Leider ist uns das aus gegebenem Anlass nicht möglich. Wir freuen uns, dass ein vom Förderverein finanziertes Banner unser Johanneum feiern wird. Es wird vom Siegerlogo unseres Schüler-Logo-Wettbewerbs geschmückt. Unseren Festtag begehen wir mit viel Freude und einer kleinen Leckerei: Der Schülerrat wird Plätzchen an alle Schülerinnen und Schüler der Schule verteilen. Die Lehrerinnen und Lehrer verwöhnen sich und die fleißigen Angestellten in beiden Lehrerzimmern mit Kuchen. Während des Tages wird das Schülerradio mit „Musik aus 150 Jahren“ und einer exklusiven Meldung an das Jubiläum erinnern. Den Festakt werden wir im Frühjahr 2022 nachholen.

(Quellen: Festschrift 125 Jahre Johanneum, Zittau 1996; Geschichte Sachsens, Hrsg. Czok, Karl, Weimar 1989)

Das Johanneum wurde am 14.Dezember 2021 150 Jahr alt. Ein Banner über der linken Eingangstür erinnert uns nun bis zum Schuljahresende daran.

johanneum banner

Ein großes Danke an den Förderverein der Schule, der das Banner finanziert hat, an das Team der Firma Lausitz Werbung, die es angefertigt hat und an unseren Hausmeister Herrn Scheufler, der es fachgerecht angebracht hat!