Modernes Epitaph übergeben

Geschrieben von Mirko Hans
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Die Schüler des Faches „Katholische Religion“ am Christian-Weise-Gymnasium wurden letztes Schuljahr zweimal die Woche um 06.55-7.40 Uhr unterrichtet. Es sind 7 Schülerinnen und Schüler, die jahrgangsübergreifend Kl. 9 und 10 unterrichtet wurden.  Ich sprach mit ihnen über die Zukunft von Kirche und Religionsunterricht. Fazit: Wenn das so weitergeht, stirbt er aus, weil sich immer weniger Schüler für so zeitigen Unterricht begeistern lassen.

Der Besuch des Museums im ehemaligen Franziskanerkloster und eine Führung von Herrn Dr. Knüvener über Zittaus neu entdeckten Schatz brachte uns mit den Epitaphien in Kontakt. Gemeinsam lernten wir diese einmaligen Zeitzeugen bürgerlicher Kultur, die nach der Reformation entstanden sind, kennen. Der Stolz der Familien auf ihren Glauben und die Präsentation der Familiengeschichten in den Kirchen beeindruckte uns.

Wo ist heute dieses Engagement für den christlichen Glauben und die eigene Identität? Ist Religion langweilig? Nicht unbedingt. Zusammen entwickelten wir die Idee, ein modernes Epitaph zu gestalten, das im Museums ausgestellt werden soll. Ein Epitaph ist eine Gedenktafel für Verstorbene. Da der Religionsunterricht aber nicht sterben soll, arbeiten wir mit den evangelischen Religionsschülern zusammen. Sie malten vier Bildtafeln mit dem Thema: Gemeinsam sind wir auf dem guten Weg. Kann die gemeinsame Arbeit als konfessionelle Kooperation nicht ein Beitrag für das Reformationsgedenkjahr sein?

Die Bildtafeln wurden von drei Schülern der Gruppe evangelische Religion gemalt, da Frau Claudia Richter dankenswerterweise die fachliche Anleitung für die Bildgestaltung in ihrem Atelier übernahm.

Die Veranstaltung der Übergabe des modernen Epitaphs an die Städtischen Museen Zittau am 07.01.18 war ein Erfolg.  Die Schüler der katholischen Religionsgruppe, die samstags letztes Schuljahr in der Holzrestauratorenwerktatt von Herrn Frieder Eifler das Epitaph bauten waren dabei als ihr Epitaph dem Museumsdirektor Herrn Dr. Peter Knüvener übergeben wurde. Das Epitaph wurde vom Förderverein des Gymnasiums (25%) und durch das Museumsprojekt "Lebendiges Epitaph" im Reformationsgedenkjahr finanziert. Ohne Museumspädagogin Frau Daniela Schüler hatte es das Projekt nicht gegeben.

Nun wird nach einem Platz in der Ausstellung gesucht. Einige sind der Meinung, das moderne Epitaph müsste in die Klosterkirche  zum historischen Epitaphienschatz, andere plädieren für die Schule als richtigen Platz: Gemeinsamen ökumenisch sensiblen Religionsunterricht der Konfessionen in Projekten zu planen und zu realisieren - das ist der Appell des Schülerepitaphs.


Adrian Dautz

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Die Übergabe an das Städtische Museum Zittau (Foto: Barbara Dautz)

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Das Epitaph im Detail (Foto: Adrian Dautz)